Mit dem Zug nach Bad Füssing: Ideen zum Bahnausbau im Bäderdreieck

Wir werfen einen Blick „über den Tellerrand“ nach Bad Füssing, etwa 25 km südlich vom Ilztalbahn-Endpunkt Passau: Bad Füssing liegt im Bäderdreieck und hat nur gut 8.000 Einwohner, beherbergt aber jährlich ca. 335.000 Gäste (Gästeankünfte) mit ca. 2,42 Mio. Übernachtungen. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer beträgt etwa eine Woche. Dazu kommen noch zahlreiche Tagesbesucher der Europa Therme.

Was Bad Füssing nicht hat (und auch noch nie hatte) ist ein Bahnhof. Wer nach Bad Füssing anreist, kommt entweder mit dem Auto, dem Reisebus oder nimmt die Busfahrt vom Bahnhof Pocking auf sich. Was wäre also, wenn man Bad Füssing an das Eisenbahnnetz anbinden würde?

Angenommen nur jeder zweite Übernachtungsgast würde entweder mit der Bahn an- und abreisen oder vom Bahnhof Bad Füssing einen Tagesausflug nach Passau, Schärding oder in den Bayerischen Wald unternehmen, fielen im Schnitt schon fast 1000 Fahrgäste (Fahrgastfahrten) pro Tag auf dieser Strecke an. Dazu kämen noch Pendler und Tagesbesucher. Es wäre also ein Leichtes, das „1000er-Kriterium“ zu übertreffen, Voraussetzung dafür, dass der Freistaat Bayern die Züge im Stundentakt finanziert.

Vom Bahnhof Bad Füssing, der möglichst zentral z.B. an der Münchner Straße errichtet werden sollte, verläuft die vorgeschlagene Strecke über Kirchham (dazwischen ein Haltepunkt am Haslinger Hof?) und erreicht schnell die ehemalige Lokalbahn Simbach – Pocking (heute ein Radweg), deren Trasse sie bis Pocking folgen könnte. Die Fahrzeit Bad Füssing – Pocking würde je nach Anzahl der Zwischenhalte etwa 12 Minuten betragen.

Hinderlich ist allerdings die heute sehr lange Fahrzeit von Pocking nach Passau. Heute benötigen die Züge für die kurvige und schlecht ausgebaute Strecke 48 Minuten. Die Ilztalbahn schlägt also eine Verbindungsspange über den Inn nach Schärding vor, bevorzugt in enger Trassenbündelung mit der A 3. Die Hochleistungsstrecke Linz – Wels – Schärding – Passau ist bestens ausgebaut und ermöglicht eine schnelle Fahrt ins Passauer Zentrum. Die Fahrzeit Pocking – Passau würde sich um gut 20 Minuten auf 25 bis 28 Minuten verkürzen, abhängig von der Anzahl der Zwischenhalte.

Auf diesem Wege könnte Bad Füssing einen Schienenanschluss mit einer Fahrzeit von 40 Minuten nach Passau erhalten. Die Investitionskosten dürften deutlich geringer als die des in der Region geplanten Autobahnneubaus (A94 als Ortsumfahrung Pocking) sein. Im Vergleich zu einigen wenigen zusätzlichen Autobahnkilometern ermöglicht dieser Schienenausbau allerdings eine umfassende Verbesserung der Schienenanbindung im gesamten südlichen Landkreis Passau. Für das grenzüberschreitende Projekt könnten umfangreiche EU-Fördermittel beantragt werden.

Neue Linien, z.B. von Freyung (Ilztalbahn) über Passau nach Bad Füssing würden Tagesausflüge vom Bäderdreieck in den Bayerischen Wald ermöglichen. Gerade Kurgäste dürften die bequeme An- und Abreise mit dem Zug zu schätzen wissen. Die Fahrzeiten der Rottalbahn können deutlich verkürzt werden und endlich dem Auto Konkurrenz machen. Auch durchgehende Züge, z.B. von Nürnberg über Passau nach Bad Füssing wären denkbar. Ein riesiger Gewinn für das Bäderdreieck, die ganze Region und die umweltfreundliche Schiene.

Und die bestehende Strecke Pocking – Fürstenzell – Passau? Sie sollte natürlich erhalten bleiben und nach entsprechenden Ausbauten dem „Regio-S-Bahn“-Verkehr rund um Passau dienen. Folgende Linien wären möglich (jeweils im Stundentakt):

  • Mühldorf – Pfarrkirchen – Pocking – Fürstenzell – Passau (- Passau Innstadt – Rosenau)
  • Freyung – Waldkirchen – Passau – Schärding – Pocking – Bad Füssing

Dieser Beitrag soll auch als Anregung für den neuen Verkehrsverbund „Donau-Wald“ dienen.

Quelle Übernachtungszahlen: www.gde-badfuessing.de

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