Schienenfräszug im Testeinsatz

Ein riesiger, gelber Zug hat heute auf seiner Premierenfahrt Passau – Freyung neugierige Blicke auf sich gezogen. Es handelt sich um einen Gast, der in den nächsten Wochen und Monaten auf unserer Strecke getestet wird: ein Schienfräszug.

Die Ilztalbahn GmbH stellt der Bahnbaufirma Luigi Notari die Bahnstrecke Passau – Freyung für Testfahrten zur Verfügung. Zum Einsatz kommt der neu entwickelte Fräszug MRR 600 des Herstellers Speno. Ein Ungetüm von über 36 m Länge auf 8 Achsen, das sich auf der kurven- und steigungsreichen Ilztalbahn bewähren muss. Und nochdazu eine völlig neue Technologie, die die Ilztalbahn GmbH auf einen Schlag in die Liga der großen Eisenbahninfrastrukturbetreiber aufsteigen lässt.

Der Fräszug bei der Einfahrt auf die Ilztalbahn

Doch was macht jetzt eigentlich ein Schienenfräszug?

Die Reibung zwischen Stahlrad und Stahlschiene führt zu Verschleiß am Schienenkopf. Auf Hauptbahnen müssen Schienen daher nach wenigen Jahrzehnten ausgewechselt werden, je nach Anzahl und Gewicht der darüberfahrenden Züge. In engen Gleisbögen tritt zusätzlich ein asymetrisches Schadensbild auf, da der Spurkranz der Räder an der Innenseite der Schiene reibt.

Mit dem Verschließ entstehen auch sogenannte Schienenfehler, also z.B. kleine Risse oder Riffel auf der Schienenoberkante. Wenn diese nicht frühzeitig behoben werden, vergrößern sie sich immer mehr und führen im schlimmsten Fall zu Schienenbrüchen oder anderen schwerwiegenden Schäden. Und hier setzt die Schienenbearbeitung durch Schleif- und Fräszüge an, ein relativ neues Feld mit viel Potenzial. Die Ilztalbahn ist dabei!

Durch einen minimalen Materialabtrag von wenigen Millimetern kann das Schienenprofil wieder in die optimale Form gebracht werden. Die Laufeigenschaft der Räder wird verbessert, was sich auch im Fahrkomfort bemerkbar macht. Gleichzeitig wird das Wachstum von Schienenfehlern gestoppt. Durch diese Maßnahme kann die Liegedauer der Schienen deutlich verlängert werden – und das obwohl der Verschleißvorrat des Schienenkopfs eigentlich reduziert wird. In der Eisenbahnersprache spricht man hierbei von der korrektiven Bearbeitung der Schienen.

Der Schienenfräszug besteht aus zwei Teilen. Ein Wagen sorgt für den Antrieb und die Energieversorgung mittels Dieselmotor, der andere Wagen beherbergt die Fräsaggregate und Arbeitsräume für das Zugpersonal. Auf beiden Seiten befindet sich jeweils ein Führerstand, von denen das Fahrzeug gesteuert wird. Die Fräsköpfe werden auf die Schiene abgesenkt und tragen während der langsamen Arbeitsfahrt kontinuierlich Material ab. Das gewünschte Profil kann hierbei vorgegeben werden.  Mit erhöhter Lärmbelästigung ist nicht zu rechnen, die Fräsköpfe sind Schallgekapselt. Außerdem finden die Arbeiten im Ilztal vorerst nur tagsüber und unter der Woche statt.

In der Mitte des Wagens sind die Fräsköpfe zu sehen

Während noch bis 14. Oktober die Züge der Ilztalbahn GmbH jedes Wochenende rollen (und am 3. Oktober) wird unter der Woche nun öfter der gelbe Schleifzug zu sehen sein. So kommt unsere 126-jährige Ilztalbahn das erste mal in den Genuss einer umfangreichen „Fußpflege“.

5 Kommentare
  1. Friedrich Papke
    Friedrich Papke sagte:

    Ein Fräszug trägt oft mehrere Millimeter ab, ein Schleifzug deutlich weniger. Schienenschleifen ist ein Teil der präventiven Bearbeitung, bei der die Enstehung von Schienenfehlern verhindert werden soll. Außerdem geht es beim Schienenschleifen vor allem darum, das Rollgeräusch zu reduzieren. Das Profil kann beim Schleifen aber kaum verbessert werden.

    Antworten
    • Falk Döring
      Falk Döring sagte:

      In diesem Fall beträgt der Abtrag nur unwesentlich mehr als beim Schienenschleifen. Die MRR600 ist für präventives Fräsen konzipiert und nicht wie die herkömmlichen Schienenfräsen für korrektives Fräsen welches natürlich deutlich mehr Abtrag verlangt. Dafür bedarf es bei der MRR600 kein „Nachschleifen“ wie es sonst bei Schienenfräsen gängig ist. Die Oberfläche ist schon geschlichtet.

      Antworten
      • Friedrich Papke
        Friedrich Papke sagte:

        Vielen Dank für den Hinweis! Ich werde den Artikel dann bei Gelegenheit aktualisieren.
        Nur eine kurze Rückfrage: Welche Vorteile erwarten Sie sich von der Fräs- im Unterschied zur Schleiftechnik?

        Antworten
        • Falk Döring
          Falk Döring sagte:

          Der Hauptvorteil ist sicherlich das staubfreie Abtragen, dies ist insbesondere für Arbeiten in Tunneln von Bedeutung. Die MRR600 verfügt über eine hervorragende Absaugtechnik welche nahezu keinen Span im Gleisbett zurück lässt. Weitere Vorteile gegenüber dem Schleifen ist der geringere Lärmpegel sowie die Tatsache, dass es keinen Funkenschlag gibt.

          Antworten

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.