Vorbilder: Die Strecke Yverdon – St. Croix

Die Schweizer fahren gerne mit dem Zug. Und entsprechend wird auch in die Eisenbahn investiert, pro Kopf etwa das Zehnfache der Investitionen in Deutschland. Wie sich das abseits der großen Hauptstrecken oder der touristischen Alpenbahnen auswirkt, kann man beispielsweise an einer kleinen meterspurigen Schmalspurbahn im französischsprachigen Teil der Schweiz beobachten.

Ausfahrt aus dem Endbahnhof, im Hintergrund Sainte-Croix

Die Strecke Yverdon-les-Bains – Sainte Croix (Chemin de fer Yverdon–Ste-Croix YSteC) startet am Lac de Neuchâtel und führt hinauf in die Berge des Jura. Interessant ist ein Vergleich mit der Ilztalbahn:

  • Struktur: Wie die Ilztalbahn durchfährt auch die YSteC eine dünn besiedelte Region, St. Croix ist als einzige nennenswerte Ortschaft mit etwa 5000 Einwohnern wesentlich kleiner als Freyung und etwa so groß wie Röhrnbach. Der Ausgangsort Yverdon-les-Bains ist ebenfalls nur gut halb so groß wie Passau.
  • Tourismus: Der Jura ist eine touristische Gegend, jedoch fernab des Massentourismus. Etwa vergleichbar also mit dem Bayerischen Wald.
  • Strecke: Im Vergleich zur Ilztalbahn ist die Strecke der YSteC nur etwa halb so lang. Die Fahrzeit für die Gesamtstrecke beträgt bei geringer Höchstgeschwindigkeit, bedingt durch zahlreiche Kurven, etwa 35 Minuten. Das entspricht auch grob der Reisegeschwindigkeit der Ilztalbahn.
  • Geschichte: Wie die Ilztalbahn ist die YSteC in den 1890ern entstanden. 2018 wird in der Schweiz das 125jährige Jubiläum gefeiert.

Wenn man nun allerdings die Reise mit der kleinen Bahn beginnt, stößt man auf zahlreiche Unterschiede zwischen der Ilztalbahn und der YSteC:

  • Die Strecke ist elektrifiziert, die modernen, barrierefreien und bequemen Triebwagen verkehren ganztägig im Stundentakt, im Berufsverkehr sogar halbstündlich.
  • An den Bahnhöfen bestehen Busanschlüsse in alle Richtungen, selbstverständlich sind alle Busse im Tarifverbund mit durchgängigen Fahrkarten nutzbar.
  • Am auffälligsten jedoch der Unterschied am Endbahnhof Sainte-Croix: Der Bahnhof ist besetzt, es steht eine beheizte Wartehalle mit Sitzgelegenheiten, ein Fahrkartenschalter und ein Kiosk zur Verfügung. Die Bahn- und Busabfahrten werden auf zahlreichen Bildschirmen angekündigt. Vor dem Bahnhof zahlreiche Bushaltestellen wo die Anschlussbusse schon auf den Zug warten.

Blick in die kleine aber feine Bahnhofshalle von Sainte-Croix. Rechts die Ausstellung zum Streckenjubiläum.

Warum nun dieses Beispiel? Es zeigt, was der öffentliche Nahverkehr leisten kann, wenn genügend in die Infrastruktur und den Betrieb investiert wird. Die Züge der YSteC sind gut gefüllt, zahlreiche Pendler und Touristen nutzen die kleine Bahn. Die Eisenbahn ist so eine echte Alternative zum Auto und ein Gewinn für die gesamte Region.

Die Ausstattung des kleinen Endbahnhofs zeigt, was Fahrgäste – auch im ländlichen Raum – schätzen und benötigen. Das liegt meilenweit entfernt vom Minimalstandard der DB Netz in Deutschland, wo vergleichbare Endbahnhöfe wie z.B. Waldmünchen bei der Modernisierung sogar um hunderte Meter vom Stadtzentrum wegverlegt werden und als einzigen Komfort ein zugiges, kleines Wartehäuschen bieten.

Für die Zukunft der Ilztalbahn sollten ähnliche Standards wie im schweizer Jura angesetzt werden. So lassen sich die Menschen der Region wieder für den öffentlichen Nahverkehr begeistern. Zahlreiche Förderprogramme machen solche Projekte auch in Bayern finanzierbar. Mit der Ilztalbahn steht der öffentlichen Hand ein aufgeschlossener Partner für die Umsetzung zur Verfügung!

Triebwagen der neuesten Generation im frisch sanierten Kreuzungsbahnhof Vuiteboeuf, auch hier wartet der Anschlussbus schon am selben Bahnsteig.

Zuletzt noch ein Ausflugstipp: Vom Endbahnhof Sainte-Croix führt ein Wanderweg bergab durch die wunderschöne Arnon-Schlucht zum Bahnhof Vuiteboeuf. Gehzeit zwischen ein und zwei Stunden.

 

Wir wünschen der YSteC und dem Betreiber Travys ein schönes Jubiläumsfest und alles Gute für die Zukunft!

Weitere Informationen: Wikipedia

1 Antwort
  1. Friedrich Papke
    Friedrich Papke sagte:

    Als kleine Ergänzung hier das Datenblatt der neuen Stadler-Fahrzeuge:
    https://wwwstadlerrailcom-live-01e96f7.s3-eu-central-1.amazonaws.com/filer_public/36/96/3696e222-0e6c-4d2d-b77d-28cc81c4ad85/tmtravys0415f.pdf
    Fahrkomfort und Raumgestaltung überzeugen, nur die Sitze könnten etwas bequemer sein, was bei der kurzen Fahrzeit allerdings zu verschmerzen ist.
    Ähnliche Fahrzeuge wurden und werden derzeit von zahlreichen westschweizer Schmalspurbahnen beschafft.

    Antworten

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.