Korrigendum zum Deutschlandtakt: Ilztalbahn ergänzt

Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur hat die Planungen zum Deutschlandtakt veröffentlicht. Ein lange erwartetes Konzept, das den zukünftigen Fahrplan und Infrastrukturausbau aufeinander abstimmen soll. Ein großer Wurf, doch wie so oft schleichen sich bei umfangreichen Berichten Fehler ein: Die Ilztalbahn wurde vergessen! Wir holen das hiermit nach.

Vobild ist – wie so oft bei Eisenbahnthemen – die Schweiz. Dort wird seit über 25 Jahren der Netzausbau an den Bedürfnissen des Fahrplans ausgerichtet. Um einen optimalen, integralen Taktfahrplan verwirklichen zu können, ist es oftmals erforderlich, die Fahrzeit zwischen zwei Bahnhöfen durch Streckenausbauten unter einen bestimmten Wert zu drücken. Was zählt ist die Optimierung der Gesamtreisezeit, auch bezogen auf Umsteiger und Anschlüsse zu anderen Strecken.

Weiter Informationen zum Deutschlandtakt: https://www.bmvi.de/SharedDocs/DE/Pressemitteilungen/2018/080-scheuer-deutschlandtakt.html

Ziel ist es also, die Infrastruktur dort konsequent auszubauen, wo es der Fahrplan erfordert. Und da Infrastrukturausbauten sehr lange Vorlauf-, Planungs- und Bauzeiten benötigen, muss der Fahrplan langfristig festgelegt werden. Das geschieht im Zielfahrplan zum Deutschlandtakt, der in sogenannten Taktkarten dargestellt wird. Im Prinzip kann man sich daraus jetzt schon eine minutengenaue Zugverbindung für das Jahr 2030 suchen, vorausgesetzt, der ambitionierte Plan wird auch exakt so umgesetzt.

Die Zielfahrpläne stehen für den deutschlandweiten Fernverkehr sowie für den Nahverkehr in den Bundesländern (hier: Bayern) öffentlich zur Verfügung.

Für Passau bringt der Plan deutliche Verbesserungen. Leider wird kein stündliches Fernverkehrsangebot auf der Achse Nürnberg – Regensburg – Passau – Linz etabliert, dafür besteht in Kombination mit dem um eine halbe Stunde verschobenen ICE ein grober Halbstundentakt auf der Relation Passau – München (alle zwei Stunden mit Umstieg in Plattling). Die Fahrzeit nach München verkürzt sich im Entwurf auf 1:59 bis 2:06 Stunden. Auch in Richtung Nürnberg besteht (wiederum mit Umstieg in Plattling jede zweite Stunde) ein angenäherter Stundentakt aus Nahverkehr und Fernverkehr mit stündlichem Expresszug Plattling – Nürnberg.

Viele Verbesserungen, aber ein offensichtlicher Fehler: In der Taktkarte für Bayern wurde die Ilztalbahn vergessen! Ein ärgerliches Missverständnis, umso mehr da der Bundesverkehrsminister aus Passau kommt und die Ilztalbahn wie seine Westentasche kennen sollte. Das konnten wir natürlich nicht so stehen lassen und haben das entsprechende Blatt ergänzt.

Zielfahrplan Deutschlandtakt Ostbayern mit Ilztalbahn (Quelle: BMVI/SMA, Bearbeitung: Ilztalbahn)

Doch wie liest man diesen Plan nun eigentlich? Ganz einfach: Als graue Kästen dargestellt sind die wichtigen Knotenbahnhöfe. Verbunden werden diese durch die Linien. Rot ist der Fernverkehr dargestellt, blau der Expressverkehr (z.B. Regionalexpress) und grün der Nahverkehr. Eine durchgehende Linie verkehrt im Stundentakt, eine gestrichelte Linie alle zwei Stunden. Zwischenhalte werden nur als dicke Punkte auf der Linie dargestellt und ggf. zusammengefasst (Ziffer an Punkt). Folgt man nun einer Linie, stehen in Fahrtrichtung rechts immer die Fahrzeiten für die jeweilige Richtung. Kurz nach dem Knoten die Abfahrtszeiten (etwas abgesetzt), kurz vor dem Knoten die Ankunftszeit. Fahrt man mit der Ilztalbahn von Passau nach Freyung, so ist die Abfahrt in Passau zur Minute 10 (im Stundentakt also z.B. um 9:10, 10:10, 11:10, 12:10 Uhr usw.), Ankunft in Waldkirchen zur Minute 59, Abfahrt zur Minute 00 und Ankunft in Freyung zur Minute 11. Wer also um 9:10 Uhr in Passau losfährt, erreicht in diesem Entwurf um 10:11 Uhr nach einer Fahrzeit von 61 Minuten Freyung. In der Gegenrichtung kommt der Zug zur Minute 49 in Passau an und hat jede zweite Stunde Anschluss in Richtung München zur Minute 57 (8 min Umsteigezeit) bzw. zum ICE nach Nürnberg/Frankfurt (mit Umstieg auch nach München) zur Minute 01 (12 Minuten Umsteigezeit). Nach Pocking/Mühldorf geht es nach 17 Minuten weiter.

Zugegebenermaßen wird das nicht der letzte Fahrplanentwurf zum Ilztalbahn-Stundentakt sein (so würde diese Variante eine Zugkreuzung irgendwo zwischen Kalteneck und Fürsteneck und eine deutliche abschnittsweise Streckenbeschleunigung erfordern), aber zumindest ist die Ilztalbahn jetzt auch im Deutschlandtakt zu finden. Oder zumindest in unserem Ilztalbahn-Deutschlandtakt…

Wir wünschen den Verantwortlichen viel Erfolg und Durchsetzungsvermögen bei der Ausgestaltung des Deutschlandtaktes und hoffen, in der nächsten Aktualisierung die Ilztalbahn zu finden!

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.