Warum in der Ilztalbahn das 9-Euro-Ticket nicht anerkannt wird

In der letzten Woche haben wir gefühlt über 100 Anfragen bekommen, alle mit der gleichen Frage: „Gilt das 9-Euro-Ticket in der Ilztalbahn?“ Unsere Antwort: „Leider nein!“ Aber warum?

Zunächst einmal stellt das 9-Euro-Ticket eine Revolution im Tarifsystem des Nahverkehrs dar. Eine Fahrkarte zu diesem Preis mit einem so großen Geltungsbereich hat es in Deutschland noch nie gegeben. Zum ersten Mal überhaupt ist es z. B. möglich, mit einer durchgehenden Fahrkarte von Freyung (Bus 100) nach Passau Kohlbruck (Umstieg in den Stadtbus) zu fahren. Oder zum Tagesausflug nach München inklusive Bus, Tram, U- und S-Bahn. Oder eben mit Nahverkehrszügen von Passau in 16 Stunden nach Westerland (Sylt). Kein Wunder, dass schon im Vorverkauf Rekordverkaufszahlen gemeldet wurden.

Durch die Anerkennung des 9-Euro-Tickets entstehen bei den Verkehrsunternehmen deutliche Einnahmeausfälle. Diese gleicht der Bund als Initiator mit insgesamt 2,5 Milliarden Euro in Form von zusätzlichen Regionalisierungsmitteln aus. Das Geld fließt zunächst nach einem Verteilungsschlüssel an die Länder, die wiederum die Gelder an die Aufgabenträger des SPNV (in Bayern die Bayerische Eisenbahngesellschaft) und ÖSPV (in Bayern in der Regel die Landkreise und kreisfreien Städte) weitergeben.

Das Problem ist, dass die Ilztalbahn keinen Aufgabenträger hat. Weder die Landkreise bzw. die Stadt Passau, noch der Freistaat wollen, dass im Ilztal ein Zug fährt. Deshalb fährt die Ilztalbahn GmbH seit über 10 Jahren ehrenamtlich und privat finanziert. Und so bekommen wir keinerlei Zuschüsse oder Ausgleichszahlungen für die Anerkennung des 9-Euro-Tickets.

Würden wir das 9-Euro-Ticket anerkennen, würde die Fahrt mit der Ilztalbahn plötzlich nur noch einen Bruchteil kosten. Schon bei einer einfachen Fahrt von Passau nach Waldkirchen könnten wir das Ticket verkaufen (das dann gleich den restlichen Monat in ganz Deutschland gilt). Die Folge wären deutlich höhere Fahrgastzahlen, was zunächst gut klingt, allerdings an vielen Wochenenden einen zweiten Triebwagen erfordern und damit deutlich höhere Betriebskosten nach sich ziehen würde. Mit einem entsprechenden Zuschuss und einer Kompensation der Einnahmeausfälle wäre das aber kein Problem.

Am Ende rächt sich die Verkehrspolitik des Freistaats, der jede Finanzierung von Freizeitverkehren ablehnt. In anderen Bundesländern gilt das 9-Euro-Ticket selbstverständlich auch von Freizeitbahnen anerkannt, so z. B. auf der Harzer Schmalspurbahn, auf den sächsischen Dampfbahnen oder der Räuberbahn in Baden-Württemberg. In Bayern bleiben dagegen Freizeitbahnen wie die Ilztalbahn, die Chiemgauer Lokalbahn, die Mainschleifenbahn oder das Röhnzügle außen vor.

Wir befürchten, dass das günstige 9-Euro-Ticket deutliche Nachteile für die Ilztalbahn bringt. Zunächst werden wir – so gut wir auch darüber informieren – unzählige Diskussionen über die Nicht-Anerkennung im Zug führen müssen. Gleichzeitig ist der parallele Busverkehr defacto kostenlos und andere Bahnstrecken wie z. B. die Waldbahn stellen wesentlich günstigere Ausflugsziele in der Region dar. Wir befürchten, dass die günstige Anreise mit Regionalzügen nach Passau keinen adäquaten Ausgleich darstellt und die Ilztalbahn empfindliche Fahrgastverluste hinnehmen muss. Bleiben Sie uns bitte trotzdem treu!

Trotz der genannten Probleme hoffen wir, dass das 9-Euro-Ticket eine langfristige verkehrspolitische Wirkung entfaltet und endlich eine Vereinheitlichung des Flickenteppichs unterschiedlicher Verbundtarife angestoßen wird. Irgendwann dann hoffentlich auch mit Integration der Ilztalbahn!

5 Kommentare
  1. Patricia
    Patricia sagte:

    Ich bleib euch weiterhin treu, freu mich schon auf den 4. Juni und zahl gerne mehr als 9 Euro für die Fahrt in der Ilztalbahn.
    P.S. Das 9-Euro-Ticket seh ich sehr kritisch. Mir haben schon immer die vollen Züge nach und von München zu Oktoberfestzeiten gereicht. Das wird jetzt dann nicht anders werden. Ich bin die erste, die im Juni entweder keinen Zug oder nur ICE fährt.
    Ob der Staat das mal komplett durchgespielt hat…? Gefühlt alle im Juni im Regionalzug…? Klingt sehr nach Milchmädchenrechnung.

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  2. Jan
    Jan sagte:

    Der Link unter „Rekordverkaufszahlen“ führt zum „Postillion“. Es sollte aber eigentlich auch im Bayerischen Wald bekannt sein, dass das ein Satiremagazin ist und mit der Realität nicht unbedingt etwas zu tun hat… ;-)

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    • Friedrich Papke
      Friedrich Papke sagte:

      Der Link wurde mit einem Augenzwinkern gesetzt und soll die Verwunderung darüber ausdrücken, dass eine Fahrkarte, die jederzeit über alle Vertriebskanäle erhältlich ist, mit Beginn des Vorverkaufs so stark nachgefragt wird, dass die DB-Webseite lahmgelegt wird. ;-)
      Auch im Bayerischen Wald hat sich herumgesprochen, was der Postillon macht…

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  3. Salzberger.
    Salzberger. sagte:

    Ich finde ihre Begründung völlig in
    Ordnung. Werde ihre Bahn trotzdem
    Zur Erholung benützen. Einfach toll

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  4. Christoph Gaudlitz
    Christoph Gaudlitz sagte:

    Ein echter Ilztalbahnfahrer lässt sich doch von den vielen Säuen, die immer wieder durchs Dorf getrieben werden, nicht beirren. Er bleibt der Ilztalbahn treu. Und wenn’s nur dafür gut sein sollte, dass sich einige Leute gscheit ärgern, dass d’Ilztalbahn immer noch fährt :) :)

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