Wird die Entwidmung der Steigerwaldbahn nach dem Vorbild der Ilztalbahn verhindert?

Seit Jahren tobt ein erbitterter Streit um die Steigerwaldbahn Kitzingen – Gerolzhofen – Schweinfurt. Im Kern geht es darum, die 50 km lange Bahnstrecke vor der Entwidmung und damt dem endgültigen Abbau zu bewahren. Dabei gibt es zahlreiche Parallelen zur Ilztalbahn.

Die Geschichte der Stilllegung und der Reaktivierungsbemühungen ist komplex. Der südliche Streckenanfang vom Bahnhof Kitzingen bis zum Bahnhof Kitzingen-Etwashausen ist wegen der im Krieg gesprengten Mainbrücke schon lange Geschichte. Auf dem Gebiet der Stadt Kitzingen ist die Strecke schon formell Entwidmet und abgebaut. Die restliche Strecke bis Schweinfurt wurde vor einigen Jahren von der Deutschen Bahn an eine Firma mit dem vielsagenden Namen „Meißner Gleisrückbau“ verkauft. Ein vielsagender Schritt, war doch die politische Diskussion um die Zukunft der Strecke damals schon im Gange.

Diese Diskussion ist noch komplizierter und soll hier nur stark verkürzt wiedergegeben werden: Viele Kommunen entlang der Bahn sprechen sich (mangels Informationen?) gegen eine Reaktivierung aus. Von den Landkreisen gibt es widerum positive Beschlüsse. Die BEG hat nach langem hin und her eine Potenzialanalyse erstellt, die jedoch mit relativ konservativ berechneten 563 Personenkilometern je Streckenkilometer in der Kritik steht. In anderen Bundesländern wäre das genug für eine Reaktivierungsdiskussion, nicht so in Bayern. Währenddessen träumt der örtliche CSU-Staatssekretär von einer Teststrecke für autonome Fahrzeuge auf der alten Bahnstrecke (warum eigentlich gerade dort?).

Um die Strecke endgültig abzubauen muss sie auf ganzer Länge entwidmet, also gemäß § 23 AEG von „Bahnbetriebszwecken freigestellt“ werden. Die Entwidmung ist allerdings nur möglich, wenn kein „Verkehrsbedürfnis“ besteht. 2007 konnten wir die Entwidmung der Ilztalbahn durch den Nachweis eines Betriebskonzeptes verhindern, die Ilztalbahn wurde gerettet.

Für die Steigerwaldbahn hat jetzt eine Betreibergemeinschaft, bestehend aus der Thüringer Eisenbahn (ThE), der IGE und dem Förderverein Steigerwald-Express eine Betriebsgenehmigung beantragt. Ist das Konzept tragfähig, muss die Strecke erhalten bleiben, eine Entwidmung ist eisenbahnrechtlich nicht zulässig.

Wir freuen uns über die positiven Nachrichten aus Unterfranken und hoffen, dass die Ilztalbahn als Vorbild für eine weitere Reaktivierung dienen kann. Nachdenklich stimmt uns jedoch die Tatsache, dass auch hier der Freistaat seinem gesetzlichen Auftrag, eine leistungsfähige Schieneninfrastruktur in der Fläche zu erhalten, nicht nachkommt.

Weitere Informationen:
https://www.br.de/nachrichten/bayern/steigerwaldbahn-unternehmen-beantragt-betriebsgenehmigung,STmb1yi
https://www.lok-report.de/news/deutschland/aus-den-laendern/item/24327-bayern-eine-chance-fuer-die-steigerwaldbahn.html

3 Kommentare
  1. Jochen Schöneberg
    Jochen Schöneberg sagte:

    das ist diesem grandiosen Privatisierungskonzept zu verdanken. Bahn, Telekom, Post, überall der selbe Mist. Darüber gestülpt einesoganannte Netzagentur. Soll über den Wettbewerb wachen. Lächerlich, die verwalten sich nur selbst. Wie kann es sein dass die Bahn oder die Telekom Netze verkauft? Die wurden mit Steuergeldern gebaut. Das ist Volkseigentum. Ein ganz mieses System mit der Netzagentur in DE. Mit ein Grund für den Untergang dieses Landes

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    • Friedrich Papke
      Friedrich Papke sagte:

      Danke für Ihren Kommentar! Sie haben völlig recht, dass die Privatisierung im Rahmen der Bahnreform nicht vollständig überzeugt und dass wichtige Infrastruktur nicht privatisiert werden sollte.

      Allerdings müssen wir darauf hinweisen, dass auch zu Bundesbahnzeiten, also lange vor der Bundesnetzagentur, tausende Kilometer Strecke stillgelegt wurden…

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